Das Interview mit dem Osterhasen by @lebelieberfesch
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Das fesche Interview mit dem Osterhasen

Auch wenn Ostern vor der Türe steht, hat sich der Osterhase etwas Zeit für ein Interview genommen. Natürlich eine große Ehre, denn gerade zur Zeit ist er natürlich sehr eingespannt – oder sie? Dieser und anderen Fragen rund um den Osterhasen gehen wir nach.

Lieber Osterhase, ich freue mich, dass Sie sich etwas Zeit genommen haben, einige Frage zu beantworten und vielleicht auch mit dem einen oder anderen Vorurteil aufräumen wollen. Aber zu erst die Frage: Wie geht es Ihnen bei Ihrem alljährlichen Stress? Eine Tasse Tee gefällig?

Danke, eine Tasse Tee gut wirklich gut bei der Kälte. Mir geht es natürlich gut, ich bin fit, die Krankheitswelle hat uns dieses Jahr nicht erreicht, alle sind fit und gesund geblieben.

Wen genau meinen Sie mit „wir“ – sind nicht Sie „Der Osterhase“?

Auch eines der vielen Gerüchte. Es gibt nicht den einen Osterhasen. Wir haben uns im Laufe der Zeit gut organisiert und müssen uns – wie alle – mit Gewerkschaften rumschlagen, diverse Regeln und Statuten einhalten und sind im 21. Jahrhundert eine stattliche Familie geworden.

Eine stattliche Familie – ist ein guter Übergang zum Thema, warum der Osterhase zu Ostern die Ostereier bringt. Stimmt es wirklich, dass die Fruchtbarkeit der Grund ist, warum es ein Hase ist und kein Frosch? Einen Keks?

Ein Frosch? Der könnte wohl kaum so viele Eier tragen wie wir in unserem Korb auf dem Rücken. Da wir schon dabei sind, es gibt da natürlich diese Geschichte [er verdreht die Augen, A. d. R.] aus dem 17. Jahrhundert. Aber sind wir ehrlich, nur weil unsereins bis zu 20 Jungen bekommen kann, bedeutet es doch noch lange nicht, dass wir so fruchtbar sind. Wie wär es mit der Geschichte, dass der Hase bereits in Byzanz¹ ein Symbol für Christus war – immerhin ist Ostern auch ein religiöses Fest geworden. Oder dass Ostern immer nach dem Frühjahrs-Vollmond gefeiert wird und der Hase als Mondtier gilt? Es gibt viele Varianten – warum wir die bunten Eier verstecken – such Dir einfach eine aus. [Er knabbert genüsslich am Keks, A. d. R.]

Für Sie ist es also nicht entscheidend, dass wir wissen, warum sie uns mit Leckereien versorgen?

Natürlich nicht, das Warum ist doch nicht wichtig. Viel wichtiger ist doch das „Tun“ an sich. Wer würde sonst in den Millionen von Haushalten auf der Welt einmal im Jahr bei Wind und Wetter draußen herumlaufen, wenn nicht wir? Die Kaninchen vielleicht? Die Kekse sind aber lecker, darf ich noch einmal?

Greifen Sie nur zu – es sind genug da. Aber was meinen Sie mit den Kaninchen? Gibt es da etwa Konkurrenz?

Bei bis zu 20 Jungen im Jahr kann es Konkurrenz nicht geben. Außerdem sind sich die Kaninchen viel zu schade für diesen Job. Wir haben es einmal versucht mit ihnen, aber was soll ich sagen. Die setzen sich einfach hin und sind „süß“. Verstehst Du? Einfach nur süß!!

Und Osterhasen sind nicht süß?

Wir haben keine Zeit süß zu sein – wir müssen arbeiten. Schon alleine wegen der Gewerkschaft, was glaubst Du, was los wäre, wenn wir nicht mehr arbeiten würden?

So wie in Australien? Noch einen Keks, lassen Sie die Krümel ruhig liegen, die räum ich schon weg.

Australien? Das hat mit wollen nichts zu tun. Wir wurden abgesetzt, und wenn ich ehrlich bin auch zu Recht. Wir haben unseren australischen Kollegen immer gesagt, dass sie nicht die Bilbys² verdrängen sollten. Und was tun sie – ich sag nur bis zu 20 Junge im Jahr. Und unter uns beiden – so ein Oster-Bilby hat doch was für sich und sie sind so nette Kollegen, was man von den australischen Osterhasen nicht immer behaupten kann. Darf ich noch eine Tasse Tee?

Während ich Ihren Tee nachgieße, erzählen Sie doch etwas aus dem Nähkästchen, was hat sich verändert, wo haben Sie in den letzten Jahren vermehrt Probleme gespürt?

Probleme? Da gibt es viele [er schlürft genüsslich an der Tasse Tee A.d.R.]. Die Hunde in den Gärten haben drastisch zugenommen, die sind sogar Nachts unterwegs, da braucht man schon eine gute Lebensversicherung – und vertrauen auf Gott. Die Jäger lassen uns um die Jahreszeit ja Gott sei Dank in Ruhe, zumindest in Deutschland, reden wir nicht über Neuseeland³ [er streicht sich eine Träne aus dem Gesicht A. d. R.]. Aber was uns große Probleme bereitet, ist das Essverhalten der Zweibeiner.

Der Zweibeiner? Sie meinen der Grund für Ihre Jobs – uns Menschen?

Ja natürlich. Was würden wir auch ohne Euch Menschen tun [er verdreht schon wieder die Augen A.d.R]. Egal, Veganer möchten spezielle Schokolade im Nest und keine klassischen Eier mehr, keine Milchprodukte für die Laktose-Intoleranten, Kinder sollen eh viel weniger Süßes, dafür aber mehr Gesundes – aber bitte Bio oder Demeter, am besten noch aus der Region und idealerweise sehr exotisch. Von den Trends im Bereich Farben, Größen, Muster, Figuren usw. gar nicht zu sprechen.

Sie wollen damit also sagen, dass Sie überfordert sind mit den Ansprüchen der „Zweibeiner“? Noch einen Keks?

Wenn Sie nicht aufhören, mich zu mästen, verklage ich Sie!!

Osterhasen haben Rechtsanwälte?

Hören Sie auf so verschmitzt zu grinsen, natürlich haben wir Anwälte. Große, starke Rammler-Anwälte, die wir leider brauchen. Was glauben Sie, was los ist, wenn ein Schoko-Ei nicht wirklich zu 100 % vegan ist? Oder in einigen Ländern, die Eltern ihren Kindern auf einmal erklären müssen, warum da ein Osternest im Garten ist, obwohl sie ihrem Kind stolz erzählt haben, es gibt keinen Osterhasen? Das ist Stress pur und macht mehr Arbeit als Ostereier zu verstecken.

Ok, dann schieb ich die Keksdose einfach zu Ihnen hin und Sie nehmen einfach, wenn Sie noch möchten. Wie regeln Sie das, wer welches Osternest bekommt, mit welchen Farben, Formen usw.?

Wie gesagt, wir haben Gewerkschaften, die außer zur Osterzeit fast nichts zu tun haben – Gehälter bekommen wir nicht, wobei ein Danke manchmal ein schöner Lohn wäre. Aber diese Gewerkschaften forschen, was gerade so angesagt ist,  im Bereich Food, Lifestyle usw. Sie erstellen dann Listen für die Länder, Regionen, Religionen – und aufgrund dieser Listen werden dann Osternester verteilt.

Leider sind wir schon fast am Ende. Gibt es noch etwas, was Sie den Lesern gerne mitteilen möchten, was Ihnen am Herzen liegt?

Ja: Leint eure Hunde an – nicht nur zur Osterzeit. Hört auf, jeden Trend nachzujagen, das ist in manchen Jahren echt stressig. Sagt hin und wieder Danke – es ist zwar unser Job, aber im kniehohen Schnee Nester zu verstecken verlangt nach einem Danke. Und hört auf Osterhasen mit Kaninchen zu verwechseln – wir sind Hasen.

… mit bis zu 20 Jungen im Jahr. Zwei Fragen noch, bevor Sie mich und die leere Keksdose wieder verlassen. Kann man Sie irgendwie erreichen und ist der Osterhase nun männlich oder weiblich?

Dass ihr Zweibeiner immer so Probleme mit dem „Mann vs. Frau“-Spiel habt. Es heißt DER Osterhase, was ihn zum Mann macht – aber ohne Frauen würde der Job an diesen Tagen gar nicht zu schaffen sein. Kontaktieren? Na klar, man kann mir Briefe schicken, an folgende Adresse und erhält auch Antwort:

An den Osterhasen
Osterhasen-Postamt
Siedlungsstraße 2
06295 Osterhausen

Ich bedanke mich sehr herzlich bei Ihnen und hoffe ein gelungenes Osterfest, mit wenigen Klagen und einen geburtenreichen Jahrgang. Und vergessen Sie nicht das Geschenk … natürlich eine gut gefüllte Keksdose.

 

Anmerkungen der Redaktion:
¹Byzanz: Kurz für Byzantinisches Reich, Oströmisches Reich, siehe Wikipedia
²Bilbys: Bei uns Kaninchennasenbeutler genannt, zu Oster-Bilbys siehe Wildlife-Sydney (Website des Sidney-Zoos auf Englisch)
³In Neuseeland findet alljährlich die „Great Easter Bunny Hunt“ statt, siehe RP-Online: Hasen erleben alljährlich ein Mords-Ostern

 

 

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