In Pastelltönen bilden Muskatteller-Salbei (Salvia sclarea), Kugelköpfiger Lauch (Allium sphaerocephalon), Blut-Weiderich (Lythrum salicaria), Asiatische Duftnessel (Agastache rugosa) und Purpur-Sonnenhut (Echinacea purpurea) eine wilde Mischung. (Bildnachweis: GMH/Bettina Banse)
In Pastelltönen bilden Muskatteller-Salbei (Salvia sclarea), Kugelköpfiger Lauch (Allium sphaerocephalon), Blut-Weiderich (Lythrum salicaria), Asiatische Duftnessel (Agastache rugosa) und Purpur-Sonnenhut (Echinacea purpurea) eine wilde Mischung. (Bildnachweis: GMH/Bettina Banse)
Fesch Wohnen

Zauberhafte Wildstauden – Unverzichtbar, wunderschön – und meist eher zahm als wild

Wildstauden sind in unseren Gärten wie auch im Sortiment der Staudengärtnereien allgegenwärtig – und es werden immer mehr, das beobachtet auch Gabriele Haid von der Bio-Gärtnerei Stauden Haid in Ingolstadt. Wo sich früher der „akkurate Rosengarten“ und der „wilde Naturgarten“ unversöhnlich gegenüberstanden, wachsen heute heimische Wildstauden und „fremdländische“ Arten in trauter Eintracht.

Aus Sicht der Bio-Gärtnerin ist das nur konsequent. „Schon die Frage, was denn nun heimische Pflanzen sind, ist ja gar nicht eindeutig zu beantworten.“ Einer gängigen Definition nach gelten etwa auch eingewanderte Pflanzenarten als heimisch, die vor der Entdeckung Amerikas 1492 den Weg zu uns fanden. „Aber ist es wirklich ein Problem, wenn eine Pflanzenart nicht wie Beinwell, Wiesen-Margerite, Natternkopf oder Thymian schon seit den Römern bei uns ist, sondern beispielsweise wie die Glattblatt-Aster „erst“ seit 1687 oder wie der Balkan-Storchschnabel seit 1588?“

Trendiges Trio: Wiesen-Margeriten (Leucanthemum vulgare), Gemeine Akelei (Aquilegia vulgaris) und Garten-Wolfsmilch (Euphorbia peplus) versamen sich zuverlässig selbst. (Bildnachweis: GMH/Bettina Banse)
Trendiges Trio: Wiesen-Margeriten (Leucanthemum vulgare), Gemeine Akelei (Aquilegia vulgaris) und Garten-Wolfsmilch (Euphorbia peplus) versamen sich zuverlässig selbst. (Bildnachweis: GMH/Bettina Banse)

Gabriele Haid ist seit langem im Naturschutz aktiv. Beim Thema Pflanzen plädiert sie für einen pragmatischen Ansatz und steht auch vielen „zugezogenen“ Arten offen gegenüber. „Gärten und Parks sind seit jeher vom Menschen geschaffene künstliche Naturräume und daher nicht mit einem natürlichen Ökosystem zu vergleichen. Wie so oft macht es auch hier der Mix: Heimische Pflanzen sind insbesondere für die sogenannten oligolektischen Insektenarten unverzichtbar – das sind Nektar- und Pollenspezialisten, die ganz bestimmte Futterpflanzen benötigen. Gleichzeitig profitieren aber nahezu alle Insekten von den vielen spätblühenden Stauden, die vor allem aus Amerika und Asien zu uns gekommen sind.“

Kunterbunter Mix: Nicht nur Honigbienen begeistern sich für die farbenfrohe Mischung aus Rotem Fingerhut (Digitalis purpurea), Wiesen-Margeriten (Leucanthemum vulgare), Wiesen-Salbei (Salvia pratensis) und Wiesenraute (Thalictrum) mit den „zugezogenen“ Blauen Lupinen (Lupinus angustifolius) sowie Mazedonischen Witwenblumen (Knautia macedonica). (Bildnachweis: GMH/Bettina Banse)
Kunterbunter Mix: Nicht nur Honigbienen begeistern sich für die farbenfrohe Mischung aus Rotem Fingerhut (Digitalis purpurea), Wiesen-Margeriten (Leucanthemum vulgare), Wiesen-Salbei (Salvia pratensis) und Wiesenraute (Thalictrum) mit den „zugezogenen“ Blauen Lupinen (Lupinus angustifolius) sowie Mazedonischen Witwenblumen (Knautia macedonica). (Bildnachweis: GMH/Bettina Banse)

Astern, Duftnesseln, Sonnenhut, Sonnenbraut, Herbst-Anemonen und Kerzen-Knöterich … im Spätsommer und Herbst würde es ohne diese „Exoten“ ziemlich trostlos in unseren Gärten aussehen. „Gerade jetzt, da sich durch die Klimakrise die Flug- und Brutsaison der Insekten deutlich verlängert, sind diese spätblühenden Arten wichtige Nektar- und Pollenspender und ergänzen unsere heimische Flora perfekt.“

Extravagant: Das heimische Kleine Mannstreu (Eryngium planum) und der aus Südosteuropa stammende Balkan-Bärenklau (Acanthus hungaricus) sind wie füreinander geschaffen und passen hervorragend zu moderner Architektur. Die Asiatische Duftnessel (Agastache rugosa) im Hintergrund erhöht die Attraktivität für Bienen noch einmal mehr. (Bildnachweis: GMH/Bettina Banse)
Extravagant: Das heimische Kleine Mannstreu (Eryngium planum) und der aus Südosteuropa stammende Balkan-Bärenklau (Acanthus hungaricus) sind wie füreinander geschaffen und passen hervorragend zu moderner Architektur. Die Asiatische Duftnessel (Agastache rugosa) im Hintergrund erhöht die Attraktivität für Bienen noch einmal mehr. (Bildnachweis: GMH/Bettina Banse)

Wildstauden und Sortenvielfalt – ein Gegensatz?

Angst vor einer „Überfremdung“ der Gärten ist aus Haids Sicht ebenso wenig angebracht wie Sorge um dschungelähnliche Zustände durch Wildstauden: „Die meisten Wildstauden sind eigentlich ganz zahm. Obendrein stehen oft auch noch mehrere Sorten zur Auswahl. Die Sorten, die wir anbieten, sind meistens genauso zu bewerten wie die reine Art, denn es handelt sich um natürliche Auslesen – also um spontane Mutationen, die zum Beispiel durch eine andere Blütenfarbe oder einen gedrungenen Wuchs auffallen und dann vom Gärtner weitervermehrt werden.“

Wiesenzauber: Wie die einst mit den Römern nach Mitteleuropa gewanderte Kamille, stammt auch der rosarote Inkarnat-Klee (Trifolium incarnatum) aus mediterranen Gefilden. Der heimische Wiesen-Salbei (Salvia pratensis) versteht sich mit beiden prächtig. (Bildnachweis: GMH/Bettina Banse)
Wiesenzauber: Wie die einst mit den Römern nach Mitteleuropa gewanderte Kamille, stammt auch der rosarote Inkarnat-Klee (Trifolium incarnatum) aus mediterranen Gefilden. Der heimische Wiesen-Salbei (Salvia pratensis) versteht sich mit beiden prächtig. (Bildnachweis: GMH/Bettina Banse)

Lediglich gefüllt blühende und sterile Sorten liefern tatsächlich deutlich weniger oder gar keinen Nektar und Pollen, erklärt die Staudenexpertin. Eingestreut in einen ansonsten vielfältig bepflanzten Garten stellen aber auch sie kein Problem dar. „Und eines ist sowieso klar: Jede Pflanze ist besser als tote Kiesflächen, verbessert das Gartenklima und wirkt aktiv der Klimakrise entgegen!“

Blüten vs. Beton: Die zart duftenden Blüten des Kleinen Mädesüß (Filipendula hexapetala) und der hellviolette Wiesen-Storchschnabel (Geranium pratense) eignet sich wunderbar für luftig-leichte Gartenbilder. (Bildnachweis: GMH/Bettina Banse)
Blüten vs. Beton: Die zart duftenden Blüten des Kleinen Mädesüß (Filipendula hexapetala) und der hellviolette Wiesen-Storchschnabel (Geranium pratense) eignet sich wunderbar für luftig-leichte Gartenbilder. (Bildnachweis: GMH/Bettina Banse)

Klimakrise: Wildstauden sind hart im Nehmen

Nicht weil sie wilder sind, sind Wildstauden so robust, sondern weil viele bereits an volle Sonne und Trockenheit gewöhnt sind. „Ein Großteil der angebotenen Wildstauden stammt von Magerwiesen oder Magerrasen und ist an sonnige Plätze und trockene, sandige Böden angepasst. Mit Spezialisten wie der Wiesen-Witwenblume (Knautia Arvensis), der Karthäuser-Nelke (Dianthus Carthusianorum) oder dem Kleinen Mannstreu (Eryngium Planum) lässt sich daher auch unter verschärften Bedingungen problemlos gärtnern. Das scheinen immer mehr Menschen zu merken, zumindest werden diese Arten bei uns immer stärker nachgefragt. Auch Kommunen greifen für das öffentliche Grün gerne auf diese trockenheitsverträglichen Stauden zurück.“

Pralle Sonne und Trockenheit? Karthäuser-Nelke (Dianthus carthusianorum) und Oregano (Origanum vulgare) zeigen sich auch über Durststrecken gewohnt attraktiv. (Bildnachweis: GMH/Bettina Banse)
Pralle Sonne und Trockenheit? Karthäuser-Nelke (Dianthus carthusianorum) und Oregano (Origanum vulgare) zeigen sich auch über Durststrecken gewohnt attraktiv. (Bildnachweis: GMH/Bettina Banse)

Bio-Gärtnerin mit Mission

Staudengärtnereien sind Horte des Wissens. Wie viele ihrer Kolleginnen und Kollegen sieht daher auch Gabriele Haid von der Bio-Gärtnerei Stauden Haid in Ingolstadt ihren Beruf längst nicht „nur“ im Heranziehen attraktiver gesunder Stauden: „Wir wollen unsere Kenntnisse über Pflanzen, Boden, Klima und die vielfältigen ökologische Zusammenhänge aktiv weitergeben. Deshalb legen wir großen Wert auf eine intensive Beratung, organisieren Führungen, halten Vorträge und engagieren uns im Naturschutz“, erklärt die 54-jährige Gärtnerin.

Blatt trifft Blüte: Funkien (Hosta) stammen aus dem asiatischen Raum und fallen insbesondere durch ihre eleganten Blätter auf. Als Ruhepol im Beet setzen sie auch heimische Arten wie Akelei (Aquilegia vulgaris) und Blut-Storchschnabel (Geranium sanguineum) perfekt in Szene. (Bildnachweis: GMH/Bettina Banse)
Blatt trifft Blüte: Funkien (Hosta) stammen aus dem asiatischen Raum und fallen insbesondere durch ihre eleganten Blätter auf. Als Ruhepol im Beet setzen sie auch heimische Arten wie Akelei (Aquilegia vulgaris) und Blut-Storchschnabel (Geranium sanguineum) perfekt in Szene. (Bildnachweis: GMH/Bettina Banse)

Besonders am Herzen liegen ihr Projekte mit Kindern: „Kinder begreifen die Zusammenhänge unheimlich schnell und lassen sich leicht für ihre Umwelt begeistern. Das Potenzial möchten wir nutzen, denn was man liebt, das schützt man.“

Paukenschlag: Mit ihren auffälligen Blüten verleihen Iran-Lauch (Allium aflatunense) und Pracht-Storchschnabel (Geranium x magnificum) dem heimischen Duo Steppen-Salbei (Salvia nemorosa) und Schafgarbe (Achillea) exotisches Flair. (Bildnachweis: GMH/Bettina Banse)
Paukenschlag: Mit ihren auffälligen Blüten verleihen Iran-Lauch (Allium aflatunense) und Pracht-Storchschnabel (Geranium x magnificum) dem heimischen Duo Steppen-Salbei (Salvia nemorosa) und Schafgarbe (Achillea) exotisches Flair. (Bildnachweis: GMH/Bettina Banse)

 

Heimische Vielfalt: Ob Steingarten, Trockenmauer oder bepflanzter Trog, mit sonne- und trockenheitsgewohnten Spezialisten wie Mauerpfeffer (Sedum acre), Niederliegendem Ehrenpreis (Veronica prostrata) und Pfingst-Nelke (Dianthus gratianopolitanus) lassen sich auf wenig Raum faszinierende Biotope erschaffen. (Bildnachweis: GMH/Bettina Banse)
Heimische Vielfalt: Ob Steingarten, Trockenmauer oder bepflanzter Trog, mit sonne- und trockenheitsgewohnten Spezialisten wie Mauerpfeffer (Sedum acre), Niederliegendem Ehrenpreis (Veronica prostrata) und Pfingst-Nelke (Dianthus gratianopolitanus) lassen sich auf wenig Raum faszinierende Biotope erschaffen. (Bildnachweis: GMH/Bettina Banse)

 

In Pastelltönen bilden Muskatteller-Salbei (Salvia sclarea), Kugelköpfiger Lauch (Allium sphaerocephalon), Blut-Weiderich (Lythrum salicaria), Asiatische Duftnessel (Agastache rugosa) und Purpur-Sonnenhut (Echinacea purpurea) eine wilde Mischung. (Bildnachweis: GMH/Bettina Banse)
In Pastelltönen bilden Muskatteller-Salbei (Salvia sclarea), Kugelköpfiger Lauch (Allium sphaerocephalon), Blut-Weiderich (Lythrum salicaria), Asiatische Duftnessel (Agastache rugosa) und Purpur-Sonnenhut (Echinacea purpurea) eine wilde Mischung. (Bildnachweis: GMH/Bettina Banse)

 

Quelle: GMH, Bilder: Bettina Banse

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